Donnerstag 23 November 2017

Black Friday | Der schwärzeste Tag in der Poker-Geschichte

Am Black Friday gab's heftige Turbulenzen in der Pokerwelt | Lest nach, was damals passiert war

Der Black Friday und wie es dazu kam (Bild: Pexels)

In einem anderen Beitrag hatte ich Euch schon darüber berichtet, wie UIGEA zum Gesetz wurde. In diesem zweiten Teil soll es nun um den Black Friday gehen. Millionen geschockter Spieler, eingefrorene Gelder, langjährige Haftstrafen... Auch das ist Poker, aber lest selbst...

Daniel Tzvetkoff gründete in 2004 mit dem Anwalt Sam Sciacca die Firma Intabill.  Tzvetkoff sollte sich dabei um Produktentwicklung und Software kümmern, während Sciacca die Tages-Geschäfte abwickelte. Intabill wurde schnell der weltweit größte Internet-Zahlungsdienstleister. 5.000 Firmen in über 70 Ländern nutzen deren Dienste um die Zahlungen Ihrer Kunden abzuwickeln, darunter viele Glücksspielanbieter.

Ende 2008 bekam Intabill immer mehr Probleme, weil große Geldsummen durch DOJ (Departement of Justice, US-amerikanisches Justizministerium) und FBI beschlagnahmt bzw. eingefroren wurden. Gesamt waren etwa 20 Millionen US$ in dieser Art nicht verfügbar, während gleichzeitig die Transaktionsvolumen sanken und das Unternehmen so weniger Gewinne erwirtschaftete. Aus diesen Gründen schuldete Intabill seinen Kunden nun plötzlich mehr Geld, als es überhaupt zur Verfügung hatte. Diese Verluste versuchten sie durch Gewinne aus Kreditgeschäften auszugleichen. Später wurde noch bekannt, dass beide garnicht genau über Ihre Buchhaltung und die hohen laufenden Kosten Bescheid wussten. Kurze Zeit später kamen sie dann auch an die Gewinne aus dem Kreditgeschäft nicht mehr heran und konnten so die Intabill-Forderungen nicht mehr bedienen. Sie waren gezwungen Konkurs anzumelden.

In 2009 hatten dann PokerStars und Fulltilt gemeisam Intabill wegen ausstehender zig Millionen US$ verklagt. Im Juli 2009 kollabierte Intabill. Zwei, der am Kreditgeschäft Beteiligten (Curtis Pope und Scott Clark), wurden inhaftiert. Als Tzvetkoff für eine Konferenz in die Staaten reiste, wurde auch er fest genommen. Nachdem ihn die US-Behörden einige Monate festhielten, und er sich wegen illegalen Geldtransfers in Höhe von 500 Millionen US$ und deren Verschleierung mit einer 75-jährigen Haftstrafe konfrontiert sah, erklärte er sich bereit, als Informant für die US-Behörden zu arbeiten.

Seit Ende 2006 der Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIEGA) zum Gesetz wurde, hatten sich die US-amerikanischen Behörden in jahrelanger Kleinstarbeit durch die Finanzströme der Glücksspielanbieter gearbeitet und Beweismaterialien gesammelt. Dabei ging es weniger um illegales Glücksspiel, sondern vielmehr um Bankbetrug und Geldwäsche.

In 2007 wurde Neteller zu einer Strafe von 135 Millionen US$ verklagt wegen illegaler Bankdienstleistungen im Zusammenhang mit Internet-Glücksspiel und musste sich aus dem US-amerikanischen Markt zurück ziehen. Auch die Betreiber von PartyPoker zahlten Millionen-Strafen.

Der 15. April 2011 wird immer in Erinnerung bleiben, als der schwarze Freitag der Poker-Geschichte. An diesem Tag hatte das US-amerikanische Justizministerium DOJ offiziell Anklage erhoben gegen 3 der damals größten Pokerseiten, in einem Strafverfahren auch bekannt als "Vereinigte Staaten gegen Scheinberg, 10 Cr. 336 2011".

Die Anklage gegen die Seiten PokerStars.com, FulltiltPoker.com, AbsolutePoker.com, UltimateBet.com und UB.com besagte dass, diese Firmen gegen UIEGA verstoßen hatten. UIGEA machtes es zu einem Bundesverbrechen, strafbar mit bis zu 5 Jahren Gefängnis, wenn ein Glücksspielunternehmen wissentlich Gelder für illegales Internet-Glücksspiel annahm.

Ausser Isai Scheinberg, dem Gründer von PokerStars wurden 10 weitere zentrale Personen im Online-Poker-Geschäft und von Online-Zahlungs-Dienstleistungen vom Justizministerium angeklagt. Die Anklage umfasste unter Anderem auch Bankbetrug und Geldwäsche, um die Transaktionen mit Kundengeldern verarbeiten zu können.

Aber natürlich hatten nicht nur die führenden Köpfe der Pokerseiten und Zahlungsdienstleister an diesem Tag ein böses Erwachen. Auch Millionen von Pokerspielern, manche mit 6 oder 7stelligen Beträgen auf Ihren Accounts, wussten nicht, ob sie jemals wieder an Ihr Geld heran kommen würden.



Wenn man damals eine der beschlagnahmten Seiten besuchte, sah man lediglich ein großes Bild auf den Startseiten mit einer Bekanntmachung die besagte dass, die Domain beschlagnahmt wurde von der Zoll und Einwanderungsbehörde Homeland Security und dass, es illegal ist ungesetzliches Glücksspiel anzubieten. Hysterie und Verzweiflung verbreiteten sich rasch in der Online-Poker-Community. Die Spieler fürchteten um Ihre Gelder und einige auch um Ihre zukünftige Existenz.

Ab 20 Uhr unserer Zeit verbreitete sich die Anklage. Etwa 90 Minuten später blockierte PokerStars alle US-Spieler für Echtgeld-Spiele. Am folgenden Tag um etwa 16 Uhr hatte dann auch FullTilt-Poker alle US-Spieler blockiert und noch bekannt gegeben, dass sie weiterhin Poker ausserhalb der Vereinigten Staaten anbieten würden. In den folgenden Tagen wurden einige größere Turniere sowie Sponsorings abgesagt.

Am 20. April erreichten PokerStars und FullTilt-Poker dann eine erste Vereinbarung mit dem DOJ, so dass sie Ihre com-Seiten wieder öffnen konnten, um die Auszahlung der Spielergelder zu erleichtern. Beide Seiten hatten eu-Domains kurz nach dem Black Friday eröffnet und konnten damit weiter die Spieler ausserhalb der USA bedienen.

John Pappas, der Vorsitzende der Poker Players Alliance sagte (grob übersetzt), "Es gibt zwei Wege die dies nun nehmen kann. Entweder ist der Kongress zu schockiert um damit ordentlich umzugehen oder er wird erkennen, dass Poker ein Hobby für Millionen Amerikaner ist und manche damit sogar Ihren Lebensunterhalt verdienen. Der nächste Monat wird zeigen ob wir unser Geld zurück bekommen oder ob all diese Gelder beschlagnahmt werden und damit für uns Spieler verloren sind.".

Laut Pappas hatten die PPA-Mitglieder alleine in der ersten Woche nach dem Black Friday über 70.000 Emails an den US-Kongress, Präsident Obama und den Staatsanwalt Eric Holder geschickt...

So, ich hoffe heute war wieder etwas für Euch mit dabei.
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Gruß Christian
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