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Die Geschichte von Stu Ungar

Stu Ungar - Einer der erfolgreichsten US-amerikanischen Gin-Rummy + Poker Spieler

(Bild: Stu Ungar, Wikipedia)

Namen wie Phil Ivey, Chris “Moneymaker“, Doyle Brunson oder Phil Hellmuth sind Online Poker Fans und Spielern auch hierzulande sicher ein Begriff. Spätestens seit dem großen Poker bzw. Online Poker Boom, der Mitte der Nullerjahre seinen Höhepunkt erreicht hatte, fingen immer mehr Pokerspieler an, sich mit der Szene, ihren Stars, den World Series of Poker und dergleichen zu beschäftigen. Aber wisst ihr auch, wer Stu Ungar war? Denn das solltet ihr! Viele der führenden Köpfe im und ums Poker (Veranstalter, Casino Besitzer und natürlich Spieler) erinnern sich an Stu Ungar als einen der besten Kartenspieler aller Zeiten!

Den Poker Boom, der unser damals noch neugeborenes Jahrhundert erfasste, erlebte er leider nicht mehr. Er starb etwa ein halbes Jahrzehnt, bevor dieser um sich griff, unter tragischen Umständen. Doch seine Geschichte ist es wert, erzählt zu werden. Es ist die Geschichte von einem bemerkenswerten Menschen und Kartenspieler, der so schrullig wie genial sein konnte. Und der die höchsten Höhen und tiefsten Tiefen mitgemacht hat. Sein Geschichte ist Warnung und Inspiration zugleich.

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Ein Naturtalent

Stu Ungar wuchs unter schwierigen Bedingungen in Manhattan auf. Sein Vater war in der New Yorker Szene ein bekannter Geldhai, der als Ausrichter von illegalen Glücksspielen zu Geld kam. Wissend wie übel das Glücksspiel und die damit einhergehenden Schulden für seine Kundschaft ausgehen konnten, war Ungars Vater immer bestrebt, seinen Sohn von alldem fernzuhalten. Doch das gelang ihm nicht. Der bereits als Kind und Jugendlicher hochintelligente Ungar saugte alles auf, wie ein Schwamm. Und auch wenn er ein guter Schüler war, so schmiss er die Schule in der zehnten Klasse, um sich Vollzeit dem Glücksspiel zu widmen.

Allerdings tat er dies nicht aus eine Laune heraus. Sein Vater war zwischenzeitlich verstorben und seine Mutter, in Folge eines heftigen Schlaganfalls nur noch stark eingeschränkt fähig, ihr Leben zu bestreiten. Es musste Geld her. Und zwar rasch. Was Ungar ebenfalls dazu bewogen haben dürfte, diesen radikalen Schritt zu wagen, war seine Freundschaft zu einem gewissen Victor Romano. Romano war ein dubioser Charakter, der allem Anschein nach der Kriminalität nahestand, selber aber auch ein ganz vorzüglicher Kartenspieler und von scharfem Verstand, wie Ungar, war. Ihre Faszination zu Kartenspielen und der zugrundelegenden Mathematik einte sie – und verschaffte Ungar so bereits in sehr jungen Jahren Zutritt zu Spieltischen, die ihm ansonsten verwehrt geblieben wären.

Der beste Gin Rummy Spieler aller Zeiten

Stu Ungar sollte erst auf Umwegen (und wiederum aus Not) zum Poker gelangen. Das ihm liebste Kartenspiel, in dem er sich als unschlagbar erweisen sollte, war Gin Rummy. Bereits im Alter von gerade einmal 10 Jahren konnte er ein Gin Rummy Turnier gewinnen. Doch als Gin Rummy zu seiner Profession wurde, schlug er alles und jeden. Bald war seine Reputation als junger und bester Gin Rummy Profi über die Grenzen New Yorks hinaus bekannt.

Zwei Dinge verdeutlichen, wie großartig er in diesem Spiel war. Als ein gewisser Harry "Yonkie" Stein von diesem Wunderknaben aus New York erfuhr, forderte er ihn zu einem High Stakes Spiel heraus. Stein war ein Professioneller und galt als vorzüglicher Gin Rummy Spieler. Der junge Ungar, damals immer noch ein Teenager, wischte komplett den Boden mit Stein. Er schlug ihn in 86 Spielen und verlor nicht ein einziges. Diese vernichtende Niederlage hat Stein so zugesetzt, dass er damals als professioneller von der Bildfläche verschwand.

In der Folgezeit fing Ungar an, die Casinos in Vegas unsicher zu machen. Gin Rummy war damals noch ein recht weit verbreitetes Tischspiel, in dem Casinos regelmäßig Turniere veranstalteten. Es dauerte nicht lange, da erarbeitete Ungar sich eine so unfassbar dominante Reputation, dass die Casinos im die Teilnahme an diesen Turnieren verweigerten. Denn wann immer sich offenbarte, dass Ungar am Turnier teilnahm, wollten etliche Spieler nicht mehr antreten.

Übergang zum Poker und WSOP Erfolge

Der mittlerweile nach Vegas umgezogene Ungar konnte einfach keine Spiele mehr finden. Zwischenzeitlich sattelte er auf Blackjack um, weil er dort durch Kartenzählen profitabel sein konnte. Doch auch diese Quelle sollte rasch versiegen, da die Casinos natürlich wussten, wer da am Tisch saß. Und so wand Ungar sich dem Poker zu.

Ungars erstes Turnier war der “Super Bowl of Poker Main Event“, das damals renommierteste Poker Turnier jenseits der WSOP. Ungar wurde zwar nur 34ster von 41 Spielern. Doch Pokerlegende Doyle Brunson sagte später einmal, dass er noch nie einen Spieler gesehen hat, der während eines einzigen Turniers so offensichtlich dazulernte wie Ungar. Und er lernte in der Tat schnell. Die ersten beiden WSOP Turniere, an denen Ungar teilnahm, konnte er beide gewinnen. Was ihm für einige Jahre zum jüngsten Gewinner machte, den dieses Turnier je gesehen hatte. Zwischen 1980 und '83 konnte Ungar vier WSOP Bracelets (darunter zwei Weltmeisterschaften) für sich verbuchen. Seine kombinierten Gewinne betrugen rund eine Millionen Dollar. Aufgrund seines jungen Alters und seines knabenhaften Aussehens wurde er als „The Kid“ bezeichnet.

Ein Phönix, der immer wieder zu Asche zerfällt

Doch das viele Geld und die Einfachheit, mit der er es (scheinbar) verdienen konnte, schienen den jungen Ungar zu überfordern. Er verlor viel Geld bei Casino-Spielen, wurde übermütig und fing an Drogen (erst Kokain, später Crack) zu nehmen. Im Laufe dieser Zeit musste er sich immer öfter Geld borgen, um seine Bankroll für Tischspiele neu aufzubauen. Es heißt, dass er in der Folgezeit mehrfach abermals zum Millionär wurde …. nur um wieder alles zu verlieren. Sinnbildlich dafür können die WSOP von 1990 stehen. Dort schafft er es abermals, sich an den finalen Tisch zu spielen. Doch aufgrund einer Heroin-Überdosis war er in keiner Verfassung, um an diesem Spiel teilzunehmen. Er wurde kurzerhand automatisch als neunter Platz aus dem Turnier disqualifiziert.

So sehr Ungar das Geld mit vollen Händen ausgab, so gönnerhaft war er auch. Ungar war für seine Großzügigkeit bekannt und hinterließ überall fürstliche Trinkgelder. Freunde mutmaßten später, dass er wohl ein ganzes Jahresgehalt allein für Taxis und deren Trinkgelder ausgegeben haben musste. Obwohl Ungar selbst Besitzer mehrere schicker Sportwagen war, lehnte er es überwiegend ab, selber zu fahren. Regelmäßig schmiss er Partys für seine Freunde und bezahlte das Essen. Ihm war völlig gleich, ob er das Geld wieder sehen würde. Überdies half er mehreren befreundeten professionellen Glücksspielern aus der Patsche, indem er sie mit neuem Startkapital ausstattete.

Es ging jedoch tendenziell immer mehr bergab mit ihm. Später, als das Kokain sein Nasenhöhlen völlig ruiniert hatte, ging er dazu über, Crack zu rauchen und betrieb massiven Raubbau an seinem Körper, was ihn später das Leben kosten würde.

Unfassbares Comeback und tragisches Ende

Im Jahr 1997 war in den entsprechenden Kreisen wohlbekannt, wie es um Stu Ungar stand. Massiv verschuldet und körperlich ein Wrack, glaubte kaum jemand, dass Ungar es noch mal in den Poker Olymp schaffen würde. Sein Freund und Mitspieler, Billy Baxter, musste ihm den Buy-in von 10.000 Dollar vorschießen. Ungar war der letzte Teilnehmer, der im Turnier registriert wurde – bloß Sekunden bevor die Registrierung schloss.

Am ersten Tag des Turniers war Ungar eine geisterhafte Erscheinung. Da er die ganzen vorherigen 24 Stunden auf den Beinen war, um Geld für das Turnier aufzutreiben und eingedenk seines katastrophalen Allgemeinzustands, kein Wunder. Er schlief am ersten Tag mehrmals an seinem Tisch ein. Nur auf Zureden einiger Mitspieler und nachdem Billy Baxter ihn scheinbar wirkungsvoll zusammenfaltete, überwand er sich, den ersten Tag durchzustehen. An den Folgetagen zeigte sich Ungar jedoch ausgeruht und diszipliniert. Er wurde zu einem überdeutlichen Chip Leader und kam als haushoher Favorit an den letzten Tisch, den er routiniert für sich entschied. Aufgrund seiner Umstände und der Tatsche, dass sein letzter WSOP Main Event Sieg zu diesem Zeitpunkt über anderthalb Jahrzehnte zurücklag, wurde er als “Comeback Kid“ gefeiert. Ungar teilte das Preisgeld von einer Millionen mit Billy Baxter und widmete den Sieg seiner Tochter, mit der er im Turnierverlauf immer wieder telefoniert hatte. Stu Ungar ist seither neben Johnny Moss der Einziger, der die Hauptveranstaltung der WSOP dreimal gewinnen konnte. Er gilt in den Augen vieler als das beste reine Talent, das je an einem Pokertisch saß.

Doch das sollte das letzte Mal bleiben, dass sich der Phönix sich aus der Asche erhob und noch einmal in voller Größe zeigte. In der Folgezeit verprasste Ungar seine halbe Millionen für Drogen und Sportwetten. Er verstarb schließlich in einem Motel in Vegas im November 1998.

Stu Ungar wird in Pokerkreisen wohl immer als einer der interessantesten, aber auch tragischsten Charaktere in Erinnerung bleiben. Als einer, der das Kartenspiel meisterte, aber am Leben scheiterte. Seine großzügige aber auch leichtfertige Natur lässt sich anhand einer abschließenden Anekdote erahnen. Doyle Brunson erzählte, wie er einmal mit Stu Ungar über den Vegas Strip lief. Plötzlich wurde Ungar von einem wildfremden Mann um Geld gefragt. Ohne zu überlegen gab Ungar dem Fremden, der sein Glück kaum fassen konnte, 100 Dollar. Brunson fragte Ungar daraufhin, ob er den Mann gekannt habe.

Ungar sagte nur: „Würde ich ihn kennen, dann hätte ich ihm 200 Dollar gegeben.“

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