Donnerstag 23 November 2017

No Home Jerome || Die Phil Ivey Story

No Home Jerome || Die interessante Phil Ivey Poker-Story mit vielen neuen Details...

No Home Jerome || Die Phil Ivey Story (Bild: Wikipedia)

Jerome Graham wurde geweckt von der Sonne, die am Horizont des atlantischen Ozeans aufging. Unterhalb der Strandpromenade von Atlantic-City hatte er im Sand geschlafen.

In der letzten Nacht hatte er all sein Geld beim Seven-Card-Stud im Taj-Mahal verloren. Für den letzten Bus in seine Heimatstadt Roselle war es schon zu spät. Also schlief er unterhalb der Strandpromenade und wartete auf den ersten Morgenbus...

Es war das erste Mal, dass er das so gemacht hatte und er war sich sicher, dass es nicht das letzte Mal war. Scheinbar brauchte es solche Fehlschläge um sich in den späten 90er Jahren eine Bankroll zusammen zu spielen. Bis zu 16 Stunden lange Sessions im Taj-Mahal-Casino auf immer höheren Limits gegen immer bessere Gegner um immer mehr Geld. Jede Hand wird analysiert, selbst die gewonnen Hände. Dann einen warmen Platz finden um auf den nächsten Bus nach Hause zu warten.

Jerome’s Callcenter-Job, indem er Geld für die örtliche Polizei einwarb, half seine stets schwankende Stud-Bankroll zumindest etwas auszugleichen.

Als er besser wurde und in den Limits aufstieg, musste er mehr Zeit in Atlantic-City verbringen. Sein Job und die jeweils 2-stündige Busfahrt hielten ihn nur der Action fern. Also zog er aus seinem Elternhaus in Roselle aus und mietete sich ein Apartment in Atlantic-City. Jede Minute die er konnte, verbrachte er in den Pokerräumen. So lernte er die Spieler kennen, die Dealer und die Manager.

Die Geschichte von seinen Nächten unterhalb der Strandpromenade verbreitete sich und so kam er zu seinem Spitznamen:

“No home Jerome”


Jerome’s Poker-Kenntnisse und Fertigkeiten verbesserten sich beständig, während er im folgenden Jahr in den Limits aufstieg. Bald schon spielte er in den höchsten Stud-Games der Stadt bei Limits von $75 / $150 oder sogar $200 / $400 wenn sich genug Spieler fanden, die zehn oder zwanzigtausend $ parat hatten, um sie zu verspielen.

Er kündigte seinen Callcenter-Job und lebte nun nur noch vom Geld aus seinen Pokerrunden. Sehr zum Ärger seiner Eltern wurde aus Jerome ein professioneller Spieler.

Etwa ein Jahr, nachdem er nach Atlantic City umgezogen war, ging er ins Taj-Mahal-Casino und verkündete, dass heute sein Geburtstag wäre. Er war gerade 21 Jahre alt geworden, endlich alt genug um legal in den Casinos von New Jersey spielen zu dürfen.

Die Leute wunderten sich, wie er es die letzten Jahre geschafft hatte hier zu spielen… Natürlich mit einem gefälschten Ausweis. Er zeigte seinen echten Führerschein. Sein Name war nicht Jerome, er hieß Phillip Dennis Ivey Jr.. Heute ist Phil Ivey der wohl berühmteste lebende Spieler.

 

Auf zu neuen Ufern und rüber an die Westküste

Irgendwann verließ Ivey Atlantic-City und suchte an der Westküste im Commerce-Casino nahe Los Angeles nach profitablen High-Stakes-Partien. Dort fiel er erstmals Barry Greenstein auf, einem High-Stakes-Profi, der zu dieser Zeit einen Großteil seiner Gewinne in einem exklusiven privaten Stud-Game verbuchte, beim Herausgeber des Hustler-Magazins Larry Flint. Greenstein war stets auf der Suche nach neuen Spielern. Greenstein und Andere gaben diesen Spielern die nötige Bankroll für niedrigere Limits und Turniere. Sie unterrichteten diese Spieler, hatten Anteile an ihrer Action und wetteten mit anderen High-Stakes-Profis welches ihrer “Pferde” gewinnen würde.

Als Greenstein Ivey fand, suchte er nicht nur nach einem Rennpferd von dessen Gewinnen er Prozente bekommen könnte. Das Larry-Flint-Game war umgezogen von Beverly-Hills ins neue Hustler-Casino in Gardena, Kalifornien und einige der prominenten Spieler wollten nicht in der Öffentlichkeit spielen. Die einst so profitable Runde war drauf und dran zu zerfallen. Und Leute zu finden mit der nötigen Bankroll um Seven-Card-Stud bei diesen hohen Limits zu spielen, war nicht gerade einfach.

Während die höchsten Games in Casinos landesweit bei $100 / $200 oder manchmal auch bei $400 / $800 liefen, wurde in der Flint-Runde $4.000 / $8.000 gespielt. Da ist es nicht leicht diese letzte Stufe auf der Leiter zu nehmen, wenn die Sprossen derart weit auseinander liegen. In dieser Runde konnten die Spieler schnell Hunderttausende Dollar in einer Nacht verlieren. Und es wurde an 3 Tagen die Woche gespielt. Man konnte einfach keine passenden Spieler für diese Runde finden, also musste man welche “machen”.

Das Spiel in einer solchen Runde erfordert ein sehr gutes Bankroll-Management, ausgezeichnete Poker-Skills und natürlich vor Allem eine riesige Bankroll.

Was Greenstein brauchte war ein Spieler, der in dieser Runde nicht gleich Pleite ging, aber auch nicht selbst alles Geld gewann. Er brauchte jemanden, der ständig da war und das Spiel so in Gang hielt, damit er selbst dort weiterhin sein Geld verdienen konnte. “Ich hoffte Phil könnte das schaffen.” sagte Greenstein später. “Ich wußte nicht ob er gut genug war. Ich lieh ihm etwas Geld, er schuldete mit etwa 500.000 $, weil ich sein Talent sah und dachte, dass er es schaffen könnte".

Ivey hielt das Spiel im Hustler-Casino am Laufen und spielte bei astronomisch hohen Limits, weit höher als er sie jemals zuvor gespielt hatte. Aber das war seine Chance und er wollte sie nutzen. Er sagte sich, dass er immer zurück zu $80 / $160 könnte um seine Bankroll wieder aufzubauen, wenn er verlieren würde.

Und tatsächlich hatte er dann auch fast alles verloren. 150.000 $ waren ihm noch geblieben. Er sagte zu Barry, dass er nicht weiter diese hohe Partie spielen würde, wenn er auch den Rest noch verlöre. Er ging in die nächste Session und verlor beinahe alles.

Dann sagte Larry Flint, dass die nächste Hand die Letzte des Abends wäre. Ivey bekam drei Sechsen gedealt. Er und Flint bauten einen hübschen Pot auf. Auf der Fourth Street bekam Flint die vierte Karte für einen Royal Flush. Ivey verbesserte sich nicht weiter. Trotzdem setzte Ivey weitere 8.000 $ und Flint erhöhte auf 16.000 $. Ivey callte. Wenn Flint irgendeine Straße oder einen Flush bekam, musste Ivey sein Boot mit einem Paar voll machen. Wenn Flint keine fertige Hand hatte, gab es noch genug Möglichkeiten für ihn, seine Hand zu verbessern. Der River wurde verdeckt gedealt. Ivey hatte sich nicht weiter verbessert. Flint setzt und Ivey musste sich entscheiden. Alles was er hatte waren drei Sechsen, seine Hand war schwach. Aber es war sehr viel Geld im Pot.

Wenn Ivey folden würde, wäre es das für ihn gewesen mit Flint’s Pokerrunde. Wenn er die 8.000 $ callen und gewinnen würde, könnte er einen weiteren Tag Teil dieser Runde bleiben. Wenn er verlieren würde, wäre er nur weitere 8.000 $ hinten, aber zumindest hätte er mit einem Call die Chance doch noch zu gewinnen. Für 8.000 $ konnte er sich eine Chance erkaufen, einen weiteren Tag in Amerikas teuerster Pokerpartie zu spielen. Das war eine Menge mehr wert als ein Lotterie-Los. Also machte Ivey den Call und Larry hatte gar nichts. Ivey hatte diese Hand gewonnen und so kam er am nächsten Tag wieder und am Tag darauf… Er gewann weiter bis er schuldenfrei war und baute sich seine Bankroll auf, groß genug um nie wieder $80 / $160 Stud spielen zu müssen... Er sah nie zurück.

Wenn Ivey diese eine Hand verloren hätte, wenn Larry Flint auf dem River seinen Flush gemacht hätte” sagt Greenstein, “Poker wie wir es heute kennen, hätte es noch nicht gegeben.



Der Pokerboom und die jungen Spieler

Während des Poker-Booms, in den Jahren von 2003 bis 2011 wurden professionelle Pokerspieler, wie es Barry Greenstein sagt, zu sogenannten D-Promis. Und Phil Ivey war auf der A-Liste der D-Promis. Er hing herum mit Rappern wie Jay-Z oder Puff Daddy und hat sogar einmal das weiße Haus besucht. Er war auf den Titelseiten bekannter Magazine und hatte Fernseh-Interviews zB. auf ESPN. Während seiner bisherigen Poker-Karriere hat er schon über 20 Millionen $ in Poker-Turnieren gewonnen. Der High-Stakes Pokerraum im Aria-Casino wurde nach ihm benannt. Seine Poker-Kollegen sehen in ihm den weltbesten Pokerspieler.

Jeden Sommer treffen sich die Pokerspieler im Rio-Casino für die World Series of Poker. Sie kommen von weit her um hier ihr Glück zu versuchen. Aus Hinterzimmer-Clubs, von Sachpreis-Veranstaltern, live oder online Satellite-Events. Sie sind arm oder reich, Profis oder Amateure, jung und alt. Sie alle wollen ihre Chance um eines der sagenumwobenen WSOP-Armbänder und vielleicht eine lebensverändernde Summe Geld zu spielen.

Während all diese Leute an Hunderten Tischen spielen, hoffen sie auf eine Begegnung oder gar eine Pokerhand mit Phil Ivey, um zuhause eine schöne Geschichte erzählen zu können. Und den Großteil seiner Karriere war Ivey immer gerne bereit den Leuten diese Möglichkeit zu geben. Er hat mehr als 6 Millionen $ und 10 Armbänder in WSOP-Events gewonnen.

In den letzten paar Jahren hat er sich bei der WSOP aber sehr rar gemacht. Nachdem er in 2014 sein 10. Armband gewonnen hatte, nahm er im Jahr darauf an nur noch 2 von 68 Turnieren der WSOP teil und kam nicht ins Geld. In 2016 dann spielte er nur noch beim Main-Event mit, schied aber ohne größeres Aufsehen bereits am 2. Tag aus. Und dieses Jahr 2017 war Phil Ivey gar nicht bei den Turnieren der WSOP aufgetaucht.

Poker wie wir es heute kennen ist ein riesiges Spektakel. Die Turnierfelder haben die Größe einer Kleinstadt. Spieler in aller Welt haben online sechs, zehn oder zwanzig Tische gleichzeitig laufen. Sie studieren bergeweise Daten über Millionen von Poker-Händen. Es gibt Poker-Coaches, jede Art von Pokerbüchern und Anleitungen mit Grafiken und Tabellen. Die großen Turniere rund um die Welt haben Multi-Millionen-Dollar Preispools. Bei den größten Cash Games liegen Millionen Dollars auf dem Tisch. Während professionelle Pokerspieler früher eine eingeschworene Gemeinde waren, sind sie heute durch Internet und TV weltbekannt.

Junge meist weiße Männer, die das Pokerspiel im TV entdeckt haben, stoßen sich im Internet ihre Hörner ab, verlassen teilweise frühzeitig die Unis um den Träumen von Berühmtheit und großem Geld beim Pokerspiel nach zu jagen. Dann gibt es Werbeverträge, Sponsorings und TV-Sendungen. Bei der diesjährigen WSOP gab es gesamt über 100.000 Turnier-Teilnehmer, die um gesamt über 200 Millionen Dollar spielten.

Außerhalb des Main-Events wurden dieses Jahr 8 mal Preisgelder von über einer Million Dollar ausbezahlt. Beim Main-Event selbst wird jeder, der es an den Final-Table schafft, diesen als Dollar-Millionär verlassen. Beim High-Roller-Event mit 111.111 $ Buyin bekam der erst 28-jährige Sieger Doug Polk über 3,6 Millionen Dollar. Schon vor diesem Turnier hat Polk in den letzten sieben Jahren mehrere Millionen Dollar im Internet und beim Live-Poker gewonnen.

Nachdem Polk schon 10 Jahre lang professionell Poker spielt, ist er mittlerweile einer der größten Stars dieses Spiels. Wenn er durch die Hallen des Rio-Casinos läuft, wird er von wildfremden Leuten gegrüßt, Fans wollen ein Foto mit ihm und wenn er sich mal selbst für seinen Youtube-Channel filmt, wird er gleich massenhaft abfotografiert. Das stört ihn nicht, im Gegenteil plant er mit 28 Jahren bereits den nächsten Teil seiner Karriere. Er hofft, dass sein Poker-Kanal es ihm irgendwie mal ermöglicht in die Mainstream-Medien vorzudringen. Und es wäre nicht einmal sonderlich ungewöhnlich, dass ein so junger Profispieler umsteigt ins Mediengeschäft.

Als Doug Polk mit dem Pokerspiel begann, war Pokern auf dem Höhepunkt der Popularität. Und es bot den Spielern mehr als potentiellen Reichtum, mit dem TV die große Bühne, die Titelseiten der großen Magazine, Pokern verhieß auch Berühmtheit. Und Phil Ivey war Pokers größter Star.


Heads Up gegen Amarillo Slim bei der WSOP 2000

 

(Bild: Wikipedia)


Als Phil Ivey im Jahr 2000 sein erstes WSOP-Armband gewann, gerade einmal 6 Monate nachdem er begann auch Turniere zu spielen, gab es noch keinen solchen Medien-Zirkus. Die WSOP wurde in einem Konferenzraum im ersten Stock des Binions-Horseshoe-Casinos gespielt. Gerade einmal 100 Spieler nahmen an einem 2.500 $ Buyin Omaha-Turnier teil. Während sie dort um 195.000 $ und ein goldenes Armband für den ersten Platz spielten, gab es keine Kameras, niemanden der für irgendein Magazin davon berichtete.

Zumindest eine Berühmtheit war dann aber doch da. Denn wenn Amarillo Slim nicht der großartigste Spieler war, dann aber auf jeden Fall der Berühmteste. Nachdem er 1972 die WSOP gewann wurde er, ähnlich wie Minnesota Fats für’s Pool-Billard, eine überlebensgroße Berühmtheit und ein Botschafter für den Poker-Sport. Slim wurde zu TV-Shows eingeladen, erschien auf Magazin-Titelseiten und er hatte sogar einen Song über sich selbst geschrieben. Er sah genauso aus, wie die Amerikaner sich einen Zocker vorstellten. Er trug Leder-Stiefel, große Gürtelschnallen und einen Stetson-Hut mit Klapperschlangen-Band. Er spielte gegen die Präsidenten Lyndon B. Johnson und Richard Nixon. Lange bevor es Phil Ivey gab, war da Thomas “Amarillo Slim” Preston. Aber für die Meisten, die ihn kannten war er einfach nur ein Zocker. Herausragende Leistungen beim Pokerspiel wurden bis dahin keineswegs als brilliant erachtet.

Amarillo Slim war 71 Jahre alt, als er es im Jahr 2000 an den Final Table besagten Omaha-Turniers schaffte. Die letzten 10 Jahre hatte er zwar kein Armband mehr gewonnen, aber er war immernoch eine herausragende Figur des Pokerspiels, weit über 2 Jahrzehnte nachdem er 1972 die WSOP gewann. Es war schwer nicht zu diesem alten Mann zu halten. Ein Bisschen wie ein Wunder schien es, dass er es so weit geschafft hatte. Als der Final Table dann begann, verlor er über seinen halben Stack bevor ihm klar war, dass nicht Omaha Hi Lo gespielt wurde. Die Spieler am Final Table hatten gesamt schon 12 WSOP-Armbänder gewonnen. Da waren 4 Spieler aus England, wo Omaha beliebter ist als in den Staaten und natürlich Phil Hellmuth der Champion von 1989 und Gewinner von 6 WSOP-Armbändern.

Einer nach dem Anderen musste an die Rails, bis nur noch Slim und Ivey übrig blieben. Slim hatte einen 5 zu 1 Chiplead gegen den damals 23-jährigen Phil Ivey. Amarillo Slim schaffte es an 4 Final Table der WSOP und alle vier Male gewann er dann auch. Es sah also sehr nach dem fünften Sieg für ihn aus. Ivey spielte tight, foldete seine Hände oft wenn Slim setzte. Wenn Ivey dann aber mal Slim’s Bets callte, dann spielte er große Pots. 2 Draws verwandelte er in starke Hände und erlangte so den Chiplead. In weniger als einer Stunde war es dann auch schon vorbei und Ivey schaffte, was man für unmöglich hielt. Er ist der einzige Spieler, der Amarillo Slim an einem Final Table schlagen konnte.

Ein Video über Thomas “Amarillo Slim” Preston:



Die neue Spielergeneration mit Leuten wie Daniel Negreanu, John Juanda und Allen Cunningham waren alle etwa Mit-Zwanziger und machten sich selbst einen Namen in Turnieren und Cash Games der USA. In gewisser Weise waren dieser Spieler ganz besondere Künstler, denn es gab damals keinerlei Statistiken in die sie hätten schauen können, keine Software die ihnen hätte helfen können, keine Trainings-Seiten oder dergleichen. Sie musste ganz auf sich alleine gestellt herausfinden wie der Hase läuft.

Die Spieler aus Doug Polks Generation wollten nicht einfach nur das Pokerspiel erlernen, sie wollten es "hacken". Diese neue Generation geht an das Spiel eher wie Wissenschaftler heran. Sie kennen die Zahlen, die Mathematik und die Theorie. Heutzutage gibt es massenhaft Spieler, die das Pokerspiel studiert haben, soweit es ihnen möglich ist. Als Resultat daraus wurden die Partien immer schwerer zu schlagen, die Turniere schwerer zu gewinnen. Heutzutage gibt es selbst auf den kleinsten Limits den Willen zu gewinnen, den Versuch stets das bestmögliche Spiel abzuliefern.

Insbesondere 3 Dinge haben zu diesem Boom geführt:

  • Die in Pokertische eingelassenen Mini-Kameras mit denen man die Hole-Cards der Spieler zB. in TV-Übertragungen sehen kann.
  • Software, die das Spiel via Internet ermöglicht, so zigtausende neue Spieler in die Turniere gebracht und die Preispools in Millionen-Höhe gehievt hat.
  • Und ein Buchhalter aus Tennessee, der sich online mit einem 40$-Satellite die Teilnahme am Main-Event der WSOP 2003 erspielt hatte, dann in einem 839-Spieler-Feld 2,5 Millionen Dollar gewann.
 
 
Ivey gegen Moneymaker bei der WSOP 2003

 

(Bild: Wikipedia)


Bei der WSOP 2002 gewann Ivey 3 Armbänder und im Main-Event wurde er dreiundzwanzigster. Er hoffte, es 2003 zu gewinnen.

Das Main-Event 2003 war dann das bis dahin größte Poker-Turnier, auch dank der vielen Online-Qualifikanten.

Ivey schaffte es bis unter die letzten 10 Spieler, als sie um 4 Uhr morgens an den inoffiziellen Final-Tisch zusammen gesetzt wurden. Noch ein Spieler sollte rausfliegen bevor dann am nächsten Tag der Final Table gespielt würde. Alle waren erschöpft aber natürlich wollte niemand als 10. der Bubble-Boy werden.

Der Buchhalter aus Tennessee namens Chris Moneymaker erhöht vor dem Flop auf 60.000 und Ivey callt mit Pocket-Neunern. Jason Lester callt mit Pocket-Zehnern. Der Flop kommt mit einer Sechs und zwei Damen, macht Moneymaker ein Set Damen. Moneymaker setzt 70.000. Ivey hat gerade mal noch etwa 475.000 in Chips übrig. Lester foldet. Ivey hätte auch beinahe gefoldet, aber er hatte da so ein Gefühl… Also callt er und der Turn bringt ihm eine 9 und ein Full House Neunen und Damen. Moneymaker setzt weitere 200.000 und Ivey kann sein Glück kaum fassen. Er trifft auf dem Turn seine Wunderkarte und dieser Typ aus Tennessee setzt… Ivey geht also All in. Moneymaker callt und zeigt sein Set Damen. Ivey zeigt seine Pocket-Neuner für das fertige Full House. Für Moneymaker sah es klar nach dem Ende eines wunderhaften Laufes aus, in dem größten Poker-Turnier, dass es je gab.

Aber es war noch nicht vorbei. Es gab noch die River-Karte. Und als der Dealer ein As umdreht, eine von nur 7 Karten, die Moneymakers Hand verbessern, verfällt der gesamte Raum in einen Schock-Zustand. Ivey musste den Tisch als 10. verlassen. Er stand auf, ging durch einen Seiteneingang wo sein Auto auf ihn wartete und sah nicht zurück. Er fuhr ganze 72 Stunden zurück nach New Jersey. Das war ein so heftiger Bad Beat mitten in den Magen.



Zu der Zeit war es weder Ivey noch sonst irgendjemandem klar, dass diese Hand eine der Wichtigsten in der Geschichte des Pokerspiels war. Wenn Ivey diese Hand gewonnen hätte, wäre er wohl als Chip-Leader an den Final Table gegangen. Vielleicht hätte er das Turnier auch gewonnen. Stattdessen gewann irgendein Internetspieler namens Moneymaker und Poker wuchs in den Folgejahren um ganze Größenordnungen.

Die Spieler in den weltweit höchsten Partien hatten bis dahin nie viel Zeit für Turniere. Abseits des Main-Events wo es den Titel des Weltmeisters und sieben oder 8-stellige Summen zu gewinnen gab wurden Turniere für die Top-Spieler als reine Zeitverschwendung betrachtet. Barry Greenstein sagte einmal “Ein Turnier ist eine eigentlich eine Lotterie mit ein bisschen Poker-Können. Da sind Spieler, die keine Chance in einem Cash-Game hätten. Und 20 Jahre früher wäre man als Spieler sofort das schwarze Schaf der Familie gewesen.

Mittlerweile wurde es aber lukrativ diese Turniere zu spielen. Die Preispools wurden größer und die meisten Spieler waren schwach. Bald gab es erste Werbeverträge und etliche Spieler trugen Werbelogos auf ihren Shirts bei Turnieren, die im TV übertragen wurden. Ehemals anonyme Spieler konnten aus ihrer Berühmtheit Kapital schlagen.

Ivey gegen Paul “Action Jack” Jackson in Monte Carlo


Das Casino in Monte Carlo ist über 150 Jahre alt und eines der Berühmtesten weltweit. Bis 2005 gab es hier kein einziges Poker Turnier. Bis 2004 gab es sogar in ganz Monaco kein Poker Turnier. In 2005 entschied man sich dann auf den boomenden Poker-Zug aufzuspringen und veranstaltete die Monte Carlo Millions. 120 Spieler brachten das Buyin von 25.000 Dollar und den bis dahin größten Preispool für ein europäisches Turnier. Einer dieser Spieler war Phil Ivey. Nach 3 Tagen waren nur noch 7 Spieler übrig. Ivey war der Chip-Leader mit einer Million in Chips, fast doppelt soviel wie der aktuell Zweite und fast 10 mal soviel wie der Short-Stack. Einer nach dem Anderen mussten 5 Spieler ausscheiden, bis nur noch Ivey und Paul “ActionJack” Jackson übrig blieben. Ivey hatte einen 5 zu 1 Chip-Lead. Bei Blinds von 12.000 / 24.000 hatte Ivey etwa 4 Millionen Chips und Jackson eine Million.

Ivey bekam Herz-Dame und Herz-Acht ausgeteilt. Jackson hielt Pik-Sechs und Karo-Fünf. Jackson füllte zu 24.000 auf und Ivey erhöhte auf 74.000, Jackson callte recht schnell. Der Dealer drehte die Flop-Karten um, Herz-Bube, Kreuz-Bube und Kreuz-Sieben. Keiner der beiden Spieler konnte sein Blatt verbessern. Ivey hielt Dame hoch, Jackson hielt Sechs hoch. Ivey in schwarzem Sweatshirt spielt für ein paar Sekunden mit seinen Chips bevor er weitere 80.000 setzt. Für Jackson war es recht üblich, dass der große Stack hier am Flop weiter setzt, mit egal welchen Karten. Jackson erhöht nun auf 170.000. Ivey rückt sich in seinem Stuhl etwas zurecht. Seine Augen wandern vom Tisch zu Jackson, zu seinem Stack und wieder von vorne… denken… rechnen… sich nochmal diese und jede bislang mit Jackson gespielte Hand vor Augen führend. Würde er hier mit einem Buben setzen und die Action abwürgen? Ist er fähig zu einem Bluff? Als Ivey sich entscheidet, dass Jackson zu einem Bluff fähig ist, fasst er in seine Chips und stapelt sie vor sich auf… Reraise! 320.000.

Mit Dame hoch…

Jackson fährt sich einen Moment lang mit seiner Hand durchs Gesicht bevor er erwidert “Raise!” Er hat nur 6 hoch aber er hat sich entschieden in dieser Hand nicht gegen den großen Phil Ivey zurück zu weichen. Wie eine Eiche würde er standhaft bleiben und sich nicht bewegen. Weitere 150.000 von seinem Stack blufft er also in diesen Pot.

Ivey fängt wieder an nachzudenken und Jackson entspannt sich etwas. Ivey starrt ihn an.

Wieviel hast Du noch übrig?” fragt Ivey quer über den Tisch.

360” antwortet Jackson, zählt nochmal nach und sagt “380”.

Ivey lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Da lagen jetzt fast eine Million Chips in diesem Pot. Ivey konnte sich vorstellen, dass Jackson hier blufft, aber er hatte selbst nur Dame hoch. Um damit vorne zu sein, bräuchte es bei Jackson was er selbst hielt… einen eiskalten puren Bluff. Alles Andere, zB. eine Sieben oder ein Pocketpaar, ja sogar ein einzelnes As würde ihn schlagen. Und Jackson hatte sich bereits zu diesem Pot bekannt, indem er den Großteil seiner Chips investiert hatet. Eigentlich klar, dass Ivey hier folden sollte.

All in” sagt Phil Ivey.

Jackson denkt nicht sonderlich lange nach. Sein Bluff ist geplatzt. Sein großer Moment um den Meister vorzuführen endet mit einem Fehlschlag. Niedergeschlagen landet seine Hand im Muck.

Als dieses Turnier später im TV gezeigt wird sagt der Kommentator, “Sich diese Pokerhand anzusehen ist wie Zeuge großartiger Kunst zu werden. Es ist absurd und wundervoll zur gleichen Zeit."

Hier ein Video wo Ihr diese Hand sehen könnt:


Die Corporation gegen den Millardär Andy Beal

 

(Bild: Wikipedia)


Andy Beal, ein Geschäftsmann und Millardär aus Dallas Texas war nicht nur ein brillianter Mathematiker, er spielte auch leidenschaftlich gerne Poker um sehr hohe Einsätze. Im Jahre 2006 taten sich einige professionelle Pokerspieler zusammen um gegen Andy Beal anzutreten. Darunter waren zB. Doyle Brunson, Chips Reese, Barry Greenstein und… Phil Ivey.

Beal trieb die Limits in unbekannte Höhen um die Profis aus Ihrer Komfortzone heraus zu locken. Bei Blinds von bis zu $50.000 / $100.000 nahm er der Corporation etliche Millionen $ ab. Beinahe wäre es aus gewesen.

Wenn nicht Phil Ivey es schlussendlich geschafft hätte Andy Beal zu schlagen und die Corporation wieder ins Plus zu bringen. Gesamt gewannen sie um die 16 Millionen $ von Beal. Wenn Ivey damals nicht gegen Andy Beal gewonnen hätte, die Pokerwelt sähe heute wohl etwas anders aus.



In 2009 ging aus den Papieren von Iveys Scheidungsverfahrens hervor, dass er monatlich mehr als 920.000 $ für seinen Anteil an der Firma Tiltware LLC bekam die, die Software für die Seite FullTilt-Poker bereitstellte.

Er war Regular beim 4.000$ / 8.000$ Mixed Game im Bellagio-Casino. Das höchste reguläre Cash Game in den USA. Er reiste herum um Poker, Baccarat und Craps zu spielen und gewann 3 weitere WSOP-Armbänder. Beim Main-Event 2009 mit 6.494 Teilnehmern schaffte er es wieder an den Final Table. Sein 7. Platz war schliesslich mehr als eine Million Dollar Preisgeld wert. Bis 2009 wurde oft auch Ivey genannt wenn jemand nach einer Liste der besten Pokerspieler fragte. Nach 2009 war ER die Liste!

Später in 2009 spielte er ein Cash Game, dass im Rahmen der TV-Show Poker after Dark übertragen wurde. Mit vier weiteren Spielern einigten sie sich für 100.000 $ zu flippen, also einfach zu schauen wer die bessere Hand hat ohne zu setzen. Ivey verlor vier dieser Hände in Folge und lachte nur. Er sagte es würde ihm nichts ausmachen alle 2 Minuten für 100.000 $ zu flippen. Er liebt es soviel Geld zu verlieren, dass er kaum noch atmen kann, er wäre süchtig nach diesem Gefühl.

 

So, ich hoffe heute war wieder für jeden etwas mit dabei.
Wenn Euch der Beitrag gefallen hat, dann teilt ihn mit Euren Freunden und Bekannten!
Gruß Christian

 

0
0
0
s2sdefault