Samstag 23 September 2017

Was bedeutet UIGEA / Und was waren die Folgen? (Bild: Pexels)

UIGEA steht für: Unlawful Internet Gambling Enforcement Act

UIGEA ist ein Anti-Glücksspielgesetz, dass den amerikanischen Kongress am 30. September 2006 passierte und dann am 13. Oktober 2006 (Unter Präsident George W. Bush) zum Gesetz wurde.

UIGEA war eines der umstrittensten Glücksspielgesetze. Viele US-Bürger nahmen Anstoß daran, wie der Kongress dieses Gesetz verabschiedet hatte.

Die Gesetzgebungs-Phase

Am 18.11.2005 hatte der Republikaner Jim Leach aus Iowa den "Gambling Prohibition und Gambling Enforcement Act" als Gesetztesvorlage H.R. 4411 eingeführt (H. R. = House of Representatives). Diese ursprüngliche Fassung hätte mehrere Definitionen des Wire Acts von 1961 geändert. Mobile und kabel-gebundene Netzwerke hätten auch als Kommunikations-Einrichtung gegolten und es hätte eine Wette inklusive aller Lotterien als Glücksspiel definiert, weil jeder Spielausgang vom Zufall abhängt.

Der Republikaner Shelley Berkley aus Nevada machte einen Versuch, die Definition des verbotenen Glücksspiels noch zu erweitern um Spiele, die sonst unter Staatsgesetze fallen, weil man für sie gewisse Fertigkeiten benötigt. Dieser Änderungsantrag schlug fehl und H.R. 4411 passierte am 11. Juli 2006 das Abgeordnetenhaus. Die Gesetzesvorlage kam dann in den Senat wo sie jedoch zu Beginn keine Mehrheit fand. Der Mehrheitsführer im Senat Bill Frist war für ein Verbot von Online-Glücksspiel.

Die endgültige Version wurde daraufhin in abgeschwächter Form Teil des sogenannten Safe Port Act von 2006, eines Anti-Terror-Gesetzes insbesondere bezüglich der Finanzierung des Terrorismus. Der Kongress verabschiedete das Gesetz fast einstimmig und ohne weitere Debatte am 30. September 2006. Die Politiker waren bestrebt dieses Thema zu vertagen, weil die Präsidentschaftswahlen kurz bevor standen.

Die sofortigen Folgen von UIGEA

Zu dieser Zeit hatten fast alle Offshore-Gaming-Unternehmen auch US-Spieler akzeptiert. Betfair und Ladbrokes waren 2 bemerkenswerte Ausnahmen von dieser Regel. Websites, die Online-Poker und Online-Casino für den US-Markt anboten entschieden daraufhin was im Zuge von UIGEA zu tun war. Es wurde klar, dass öffentlich gehandelte Firmen Ihre US-Kunden ausschliessen mussten.

Cryptologic begann als erste Seite sich aus dem US-Markt zurückzuziehen, indem sie US-Amerikanern die Teilnahme an den monatlichen Poker und Casino-Boni verwehrten. Sie taten dies bereits vor Verabschiedung des Gesetzes. Andere Unternehmen, die den US-Markt daraufhin verließen waren Playtech, iPoker, Ongame, PartyPoker, PKR, Paradise Poker, Boss Media und auch 888.

Die Zeit nach der Verabschiedung von UIGEA stellte sich als schwierig heraus für diejenigen Unternehmen, die auf dem US-Markt verblieben waren:

  • Planet Poker stoppte das Echtgeld-Spiel im März 2007 wegen Zahlungsproblemen.
  • Bugsy's Club wäre fast Pleite gegangen und schloss in 2009. Es brauchte PokerStars um seine Spieler zu retten.
  • JetSetPoker sah UIGEA scheinbar als Gelegenheit um sich mit den Spielergeldern auf und davon zu machen. Eine relativ kleine Seite mit vor Allem Spielgeld und Low-Stakes aber auch einigen höheren Runden während der profitablen Abendstunden. Am Tag bevor Bush das Gesetz unterzeichnen sollte, gaben sie den Spielern um 23:55 Uhr eine Warnung, dass die Seite um Mitternacht schliessen würde. Lediglich die Spieler die zu diesem Zeitpunkt auf der Seite online waren wußten also gerade mal 5 Minuten vorab Bescheid. Wirklich ausgezahlt wurde kein einziger Cent.
  • Einige Pokerseiten konnten sich nicht vom Ausschluss der US-amerikanischen Spieler erholen. Die US-Poker-Spieler machten etwa die Hälfte aller Poker-Spieler aus. Viele Poker-Netzwerke waren Tochtergesellschaften von öffentlich gehandelten Firmen, welche US-Amerikanern jedes weitere Spiel sofort verboten.
  • Tribeca war mal ein lebendiges US-freundliches Poker-Netzwerk. Ohne die US-amerikanischen Kunden brach es zusammen. Bereits Tage nachdem UIGEA Gesetz wurde, kaufte Playtech es auf. Einige Seiten wurden Teil des iPoker-Netzwerks, andere gingen zum Tain-Netzwerk, dass dann in 2007 schloss.
  • GameGrid eine kleine Nischenseite, die sich bis UIGEA vorwiegend an US-Amerikaner wandte, kollabierte als der US-Markt ausgesperrt wurde. Tony G Poker, damals bereits Teil des iPoker-Netzwerks übernahm die restlichen paar Spieler.
  • Das Cryptologic-Netzwerk versorgte US-amerikanische Spieler mit großen Poker-Boni. Jede Ihrer Seiten offerierte ein monatliches Bonus-Angebot. Bis 2009 krebsten sie mehr schlecht als recht vor sich hin und schlossen dann.

Und was passierte danach?

Nachdem UIGEA Gesetz wurde, blieben einige größere Namen weiterhin im US-Markt. PokerStars war damals bereits die größte Plattform für Turniere und wurde dann auch für Cash-Game-Spieler zur Nr. 1. Dies alles fand am 15. April 2011 ein abruptes Ende. Ein Datum, dass heute als Black Friday bekannt ist. Diverse gesetzliche Mannöver kosteten damals PokerStars den US-Markt. Doch das soll Thema für einen weiteren Beitrag sein.

So, ich hoffe heute war wieder etwas für Euch mit dabei.
Wenn Euch der Beitrag gefallen hat, dann teilt ihn mit Euren Freunden und Bekannten.
Gruß Christian
0
0
0
s2sdefault