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Die richtige Mischung der Poker-Moves in ähnlichen Situationen...

Das Konzept der Balanced Bluffing-Range

Das Konzept der Balanced Bluffing-Range (Bild: Pexels)

Pech gehört zum Pokern wie die Sonne zum Sommer. Wir Pokerspieler haben sogar eine Art eigenes Vokabular entwickelt, für die unterschiedlichen Arten, wie uns das Pech begegnet. Da gibt es den Suck-Out und das Setup, den Cooler oder den Bad-Beat, der Gegner ist eine Luckbox, der Pokeranbieter mag uns nicht und alle Russen sind viel zu loose. Nicht ganz so geläufig ist der sogenannte Bluff-Cooler, der uns in folgendem Beitrag beschäftigen wird...

Wenn ich im Beitrag von der sog. Range spreche, meine ich damit immer eine gewisse Bandbreite an Händen, entweder die des Gegners oder die eigene.

Ich nutze den Begriff Cooler für Situationen, in denen zwei Spieler starke Hände haben mit denen sie bereit sind Einiges in den Pot zu investieren. Also zB. Könige mit denen man preflop in Asse läuft. Für gewöhnlich bin ich meinen Stack dann durch einen Bad-Beat los, nicht etwa weil ich schlecht gespielt hätte. Solange ich damit richtig liege, dass mein Gegner sein Geld auch mit einigen schlechteren Händen als Königen in die Mitte gebracht hätte, nenne ich sowas einen Cooler. Etwas genauer könnte man sagen, dass es ein Cooler ist, wenn eine Hand aus deiner Value-Range, auf eine geringfügig bessere Hand aus der Value-Range des Gegners trifft.

Ich nenne es einen Bluff-Cooler, wenn eine Hand in deiner Bluffing-Range auf eine Hand der gegnerischen Bluff-Catching-Range trifft. Mit anderen Worten, wenn du eine Hand hast, die sich ausgezeichnet zum Bluffen eignet, dann machst du einen Move der gegen einen großen Teil der gegnerischen Range profitabel ist und er callt dich runter mit einer Hand von der dir klar ist, dass er sie nicht folden würde.

Da sind wir bei einem wichtigen Punkt: Du solltest für gewöhnlich eine Bluffing-Range haben. Außer wenn du versuchst einen übertrieben loosen Spieler auszutricksen, solltest du in jeder Situation wo du üblicherweise mit einer guten Hand für Value betten würdest, auch in der Lage sein zu bluffen oder zu semi-bluffen.

Ein Bluff-Cooler führt nun dazu, dass wir die gespielte Hand überdenken und eventuell zu dem Schluss kommen, dass es falsch war zu bluffen. Im Gegensatz zum ersten Beispiel oben ( KK läuft in AA ), wo wir auch nach der Hand noch sicher sind, dass unser Spiel richtig war.

Wenn unsere ursprüngliche Annahme richtig war, dass ein Bluff an dieser Stelle langfristig profitabel ist, dann könnte dieser Gedanke ( dass der Bluff falsch war ) genauso irrational sein, wie die Entscheidung KK beim nächsten Mal zu folden. Das Konzept der Bluffing-Range und eines Bluff-Coolers zu verstehen, hilft dir also festzustellen ob der Bluff eine Fehlentscheidung war oder ob du schlicht Pech hattest in eine der besten Hände zu laufen, die dein Gegner haben konnte!

Ein Beispiel:

Du spielst ein Holdem-Turnier bei Blinds 50/100, bekommst in mittlerer Position  gedealt und open-raist auf 250.

Alle folden, lediglich der BigBlind callt. Nach deinem Raise hast du noch einen Stack von 1500 und dein Gegner covert dich.

Der Flop kommt   

Dein Gegner checkt, du machst eine Conti-Bet von 350 in einen Pot von nunmehr 550 und dein Gegner callt. Ohne weitere Informationen kannst du die Range deines Gegners kaum einschränken. Er könnte ein Set oder irgendein Paar geflopt haben, auch könnte er einen Flushdraw halten oder einen OpenEnded-StraightDraw mit T9 oder 97.

Als Turnkarte kommt 

Dein Gegner checkt. Jetzt wo du einen Nut-Flush-Draw und einen Gutshot hast, kommst du in Versuchung zu bluffen. Es sind mittlerweile 1250 im Pot und du hast noch 1150 Rest. Wenn du hier setzen möchtest, kannst du also auch gleich allin gehen.

Angenommen, dass du nur sehr wenig darüber weißt, wie breit die Flop-Calling-Range deines Gegners ist oder welche Hände er folden würde, wenn du am Turn Allin gehst... Du solltest die Range für den Allin-Move am Turn ausbalancieren. Wenn deine Range für einen bestimmten Move zu starr ist, wird es für einen guten Gegner einfacher, dir eine Range zuzuweisen. Mit anderen Worten solltest du diesen Move mit einer Value-Range von sehr starken Händen wie Sets oder Flushes machen UND mit einer Bluffing-Range bestehend aus starken Draws, die wahrscheinlich aktuell nicht vorne liegen wenn der Gegner callt, aber eine gute Chance haben sich zur besten Hand zu verbessern.

Auf diese Art kann der Gegner dich nicht lesen und dir keine Range zuweisen, denn wenn er zB. mit schwachen Paaren callt, ist er manchmal schon Drawing Dead gegen deine stärksten Hände oder liegt nur geringfügig vorne gegen deine Semi-Bluffs. Wenn er alles außer seinen stärksten Händen foldet wirst du zwar nicht so viel mit deinen starken Händen gewinnen, deine Semi-Bluffs werden aber öfter erfolgreich sein.

Die exakte Range heraus zu finden, mit der ein Allin hier optimal wäre ist zu kompliziert um es während des Spiels zu machen. Zum Glück ist das in so einem Fall auch gar nicht nötig. Wenn du vorm River allin gehst sollte deine Range für diesen Move immer gemischt sein aus deinen stärksten fertigen Händen und aus deinen stärksten Draws. Diese Mischung ist das Ausbalancieren der Range.

Fällt dein Ah Qs in diese Kategorie? Du erwartest nicht, aktuell vorne zu liegen, also würde es nicht als starke fertige Hand zählen, aber es sieht sicher wie ein starker Draw aus. Egal womit dein Gegner callt, du hast immer mindestens 7 Outs gegen den schlimmstmöglichen Fall, einen fertigen Flush. Und du könntest bis zu 17 Outs haben, wenn dein Gegner dich sehr weak callt, zB. mit 9s 8s. Ich kann mir keine Hand vorstellen, die einen stärkeren Draw beinhalten würde. Also ist Ah Qs eine Hand mit der du hier bluffen solltest, als oberes Ende deiner Bluffing-Range.

Mal angenommen du hältst   ... Der Flop kommt  ... der Turn 

Mit Top-Set und einem Herz als Redraw ist das nicht das obere Ende deiner Value-Range, das wäre ein hoher Flush. Aber es ist sicher gut genug um die Chips auf dem Turn rein zu stellen. Also gehst du allin und dein Gegner callt dich mit dem Nutflush. Du hast 10 Outs für Vierling oder Full-House, aber es kommt nichts. War dein Push deshalb falsch?

Hoffentlich verstehst du jetzt, das der Push nicht falsch war. Vermutlich war die Range deines Gegners um eine Pot-Size Bet am Turn zu callen viel breiter als nur der Nutflush. Es ist einfach unglücklich, wenn du eine solch starke Hand hältst, während er eine noch stärkere Hand hält. Das ist Pech und kein schlechtes Spiel.

Das Gleiche trifft zu, wenn du mit Ah Qs allin gehst und vom fertigen Flush gecallt wirst. Wenn das obere Ende deiner Bluffing-Range auf das obere Ende seiner Value-Range trifft, ist dein Stack weg und es bedeutet eben nicht, dass du irgend etwas falsch gemacht hast. Beim Pokern geht es um das länger-fristige Abwägen von Wahrscheinlichkeiten, weniger um kurzfristig präzise Vorhersagen. Und weil solche Wahrscheinlichkeiten seltenst bei 100% liegen, beinhalten sie ab und zu natürlich auch, dass es schief geht.

Ich hoffe dir hat der Beitrag gefallen und hilft dir dabei dein Spiel zu verbessern! Ich freue mich, wenn du den Beitrag auf Facebook oder Google+ teilst. Oder diskutiere darüber mit deinen Freunden.

Gruß Christian

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