Contibetting für Fortgeschrittene / Die Feinheiten der Cbet (Bild: Pexels)

Seitdem die Idee des Contibetting vor Jahren durch ein Harrington-Buch bekannt wurde, hat sich Einiges getan. Die grundsätzliche Idee war, dass die meisten Flops einen nicht treffen. Wenn man nicht schon mit einem Pocketpaar startet, dann ist es sehr schwer ein Paar zu floppen. Das Gleiche gilt natürlich auch für unsere Gegner, die also in den meisten Fällen den Flop verpassen...

Wenn du preflop geraist hattest, solltest du auch dann am Flop weiter setzen, wenn du nichts getroffen hat. Zumindest wenn du am Flop nur noch einen Gegner hast. Du führst so die Action weiter, die du ja vor dem Flop schon gestartet hattest. Mit anderen Worten hattest du vor dem Flop gesagt, dass du eine starke Hand hast und du wiederholst diesen Satz auf dem Flop, während dein Gegner dadurch Schwäche gezeigt hatte, dass er deine Preflop-Bet nur gecallt hat.

Das funktioniert prima, solange dein Gegner dieses Konzept nicht kennt bzw. nicht versteht. Heutzutage ist es so, dass auch ein Großteil der schwächeren Spieler dieses Konzept in seinen Grundzügen kennt. Auch schwächere Spieler werden am Flop häufig weiter setzen, wenn sie bereits die Preflop-Initiative hatten. Und diese Spieler erwarten das gleiche Verhalten von dir! Sie rechnen also damit, dass du contibettest, obwohl der Flop dich nicht getroffen hat.

Bedeutet das nun, dass du aufhören solltest zu contibetten? Nein, eher nicht. Die Grundidee, wie sie Harrington ursprünglich formuliert hatte, trifft ja noch zu: Die meisten Startkarten verpassen den Flop und der Preflop-Raiser hat gewöhnlich eine stärkere Range als der Preflop-Caller. Wie auch bei vielen andere Poker-Aspekten kommt es jetzt darauf an, dass du sie besser verstehst, als deine Gegner.

Die Tendenzen deines Gegners:
Du kannst eine starke Range haben, großartige Bluff-Möglichkeiten und jede Menge Outs... Wenn dein Gegner einfach jedesmal allin geht sobald jemand am Flop bettet, dann solltest du nicht versuchen ihn zu bluffen. Genauso verhält es sich gegen einen Anfänger, der eine Bet nie mit weniger als Top-Paar callt. So jemanden solltest du auch bluffen mit 72 offsuit, ohne deine Karten überhaupt anzusehen, auch out of Position, auch ohne Outs.

Mit anderen Worten basiert dieses Konzept zuerst einmal darauf, dass du deinen Gegner richtig einschätzt. Wenn du online spielst und ein HUD benutzt, dann schau nach dem Wert, "Fold to Conti Bet", je höher dieser Wert, desto eher solltest du bluffen. Wenn F2Cbet niedrig ist, dann schau als Nächstes danach, wie oft er auf eine Turn-Bet hin foldet. Wenn dieser Wert ausreichend hoch ist, kannst du solch einen Gegner besser am Turn raus bluffen, was etwas riskanter aber auch etwas profitabler wäre.

Weiter ist es wichtig, dass deine HUD-Zahlen nie die aktuelle Situation berücksichtigen, sondern immer nur die bereits vergangenen Hände. Du darfst dich also nicht ausschließlich auf diese Zahlen verlassen, sondern solltest sie immer nur im Kontext zu anderen Faktoren betrachten.

Was sind die besten Flops um zu bluffen? Einfache Antwort: Das hängt von deinem Gegner ab! Gegen einen Level-1-Denker, der foldet wenn er weder ein Paar noch einen guten Draw hat, sind die trockensten Flops die Besten für eine Bluffbet. Ein solcher Gegner wird bei einem 4 4 4 Flop nahezu immer folden.

Ein Level-2-Denker wird realisieren, dass dieser trockene Flop dir wahrscheinlich auch nicht geholfen hat. Ein As wird er nicht folden, manchmal wird er dich mit schwächeren Händen sogar bluff-raisen.

Andersrum können wir festhalten: Je koordinierter der Flop ( 7, 8, 9 oder 3 Herz etc. ) desto weniger erfolgversprechend ist eine Contibet, einfach weil es viel mehr mögliche Starthände gibt, die mit einem solchen Flop etwas anfangen können.

Ein Level-3-Denker wird all das realisieren und seine Ranges entsprechend anpassen. Er wird wahrscheinlich realisieren, dass du erwartest er wird einen trockenen Flop öfter verpassen und konsequenterweise wird er mit As hoch öfter callen oder sogar re-bluffen. Entsprechend wird er einer Contibet auf einem koordinierten Board mehr Respekt entgegen bringen und Hände wie BottomPair ohne Redraw folden, in der Annahme, dass du auf einem koordinierten Board weniger oft bluffst. Zugegeben, Poker ist kompliziert. Dieser Absatz macht auch klar, dass Fortgeschrittene Pokerspieler ihre Gegner nicht mehr nur in Muster ala Tight-Agressiv (Shark), Loose-Agressive (Maniac) etc. einsortieren, sondern sich auch Gedanken darüber machen, auf welchem Level ihr Gegner denkt.

Wie man sieht, gibt es Einiges nachzudenken. Tatsächlich gibt es noch mehr Faktoren als die hier genannten, die deine Entscheidung zu conti-betten beeinflussen. Mit dem hier Erwähnten wirst du dich aber schon eine ganze Zeit beschäftigen können.

Diese Konzepte nicht nur theoretisch nachvollziehen zu können, sondern auch selbst am Tisch umzusetzen, bedarf es einiger bewußter Übung. Such dir zB. ein gemütlich niedriges Limit und versuch die einzelnen Punkte auszuprobieren, bis sie dir leicht von der Hand gehen und du nicht mehr allzuviel während des Spiels darüber nachdenken musst.

Abschließend etwas zum Grübeln:
Die Cbet ist zwar weitgehend bekannt, dafür gibt es aber neue Möglichkeiten profitabel zu spielen, indem man diese Konzepte besser versteht als seine Gegner: Deine Gegner können sich zwar an dein Wissen bezüglich Contibets anpassen... aber wenn du dich an deren Anpassungen anpasst... bist du ihnen wieder einen Schritt voraus!

( Er denkt, dass ich denke, dass er... )

So, ich hoffe heute war wieder was für euch mit dabei und ihr teilt den Beitrag mit euren Freunden. Viel Erfolg an den Tischen!

Gruß Christian


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